Palais Weimar

Zeichnung ( vor der Erweiterung der Flügel) - Archiv W.Malek
Zeichnung ( vor der Erweiterung der Flügel) - Archiv W.Malek

Lehfeldt / Voss vermerken in ihrem 1909 herausgegebenen Standardwerk " Bau und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft XXXV " :
" Das Palais ist ein charakteristisches Beispiel für die in den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts herrschende Nachahmung griechisch-römischer Bauweise. Die äussere Anlage erinnert auffallend an das gleichzeitig erbaute "Kleine Palais" in Meiningen.
Den einzigen Schmuck der Fassade bildet die von vier dorischen Säulen getragene Vorhalle in der Mitte des Gebäudes. Eine Freitreppe von der ganzen Breite der Vorhalle führt sechs Stufen hinauf. Die Säulen sind im Vergleich zu den Säulen dorischer Tempel übermässig schlank. Das Gebälk mit dem Architrav- und Triglyphenfries ist viel leichter als an den wirklichen Vorbildern des griechischen Alterthums. Ein flacher Giebel mit leerem Giebelfeld bekrönt die Vorhalle. Innerhalb der Säulenhalle liegt in der Höhe des Obergeschosses ein kleiner Balkon, dessen Platte auf vier schlichten, gekehlten Konsolsteinen aus der Mauer hervorragt - dies ganz ähnlich wie am kleinen Palais in Meiningen."
Falsch liegen Lehfeldt und Voss mit der Erbauungszeit:
Bereits von 1804 bis 1805 ließ die Herzogin Eleonore das von ihrem 1803 verstorbenen Mann, Herzog Georg I. geplante Fürstenpalais errichten. Die Erweiterung des Gebäudes 1925/26 setzten Lehfeldt / Voss mit der Erbauungszeit gleich. 
Somit ist auch das "Kleine Palais" in Meiningen nicht wie o.g. Autoren beschrieben haben das Vorbild für den Liebensteiner Bau - sondern umgekehrt.
Denn das von 1821 bis 1825 in Meiningen als "Kleines Palais" errichtete Gebäude gleicht in der Fassade dem bereits 1805 fertiggestellten Liebensteiner Fürstenhaus.  
Naheliegend ist, dass wie  auch weiter unten ausgeführt höchstwahrscheinlich das Liebensteiner Palais eine Vorlage im Wörlitzer Schloss hatte und das Kleine Palais  http://de.wikipedia.org/wiki/Kleines_Palais_(Meiningen))  nach dem Liebensteiner Fürstenhaus gebaut worden war.

Archiv Volker Henning
Archiv Volker Henning
Palais Weimar Ansicht 1900
Archiv W.Malek
Schloß im Wörlitzer Park - gemeinfrei
Schloß im Wörlitzer Park - gemeinfrei

Frappierende Ähnlichkeit besitzt das Palais Weimar mit dem Schloß im zum Weltkulturerbe gehörenden Wörlitzer Park http://www.woerlitz-information.de/woerlitz-de/se/schloss.php . Dieses ist eines der frühesten klassizistischen Schlossbauwerke außerhalb Englands. Es gilt als der Gründungsbau des deutschen Klassizismus. Der Baumeister http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_von_Erdmannsdorff errichtete es zwischen 1769 und 1773 für das jung vermählte Fürstenpaar. Im Hauptgeschoss gruppieren sich um den Lichthof die Vorhalle, zehn Räume und zwei Säle.

Herzog-Georg-Straße 64 - Archiv A. Döhrer
Herzog-Georg-Straße 64 - Archiv A. Döhrer
Archiv W.Malek
Archiv W.Malek

Der Fürstensitz der verwitweten Luise Eleonore entstand  in den Jahren 1804 und 1805.
Das ursprüngliche Gebäude mit dem Kuppelsaal inclusive Balkon sowie der Vorhalle mit den  vier dorischen Säulen und den beiden Seitenflügeln mit jeweils doppelten Fensterfronten wurde 1826 an den beiden Seitenflügel erweitert.
Mit der Mündigkeit von Bernhard II. von Sachsen-Meiningen im Jahre 1821 waren die Bedürfnisse im Sommeraufenthaltsort gestiegen
.
Im gleichen Jahre begannen die Arbeiten für das fast identische Kleine Palais in Meiningen, das der Sommersitz von Bernhard II. in der Folge werden sollte.
1836 bezog Ida, die Schwester von Herzog Bernhard II., das Fürstenhaus in Liebenstein als ständigen Sommeraufenthaltsort.  Als Herzogin von Sachsen-Weimar lag es nahe, dem Gebäude den Namen  " Palais Weimar "  zu geben.  

Als Palais Weimar als Kurhaus genutzt wurde, sitzen die Kurgäste auf der Freitreppe und trinken Mineralwasser - rechts Frau Anna Krüger, damals Brunnenmädchen - Quelle  Susanne Krügera
Als Palais Weimar als Kurhaus genutzt wurde, sitzen die Kurgäste auf der Freitreppe und trinken Mineralwasser - rechts Frau Anna Krüger, damals Brunnenmädchen - Quelle Susanne Krügera
Offensichtlich wurde auch im Palais Weimar ehemals Sauerbrunnen ausgeschenkt - Repro W.Malek
Offensichtlich wurde auch im Palais Weimar ehemals Sauerbrunnen ausgeschenkt - Repro W.Malek
Wintergarten 1938- heute Bestandteil der Bibliothek - Archiv H.Luck
Wintergarten 1938- heute Bestandteil der Bibliothek - Archiv H.Luck
Aufnahme 1948 - Archiv W.Malek
Aufnahme 1948 - Archiv W.Malek

Am 2.Oktober 1948 wurde das Palais Weimar nach gründlicher Renovierung als „Klubhaus der SVA“ den Kurgästen zur Verfügung gestellt. Es beherbergte eine reichhaltige Bibliothek, Klubzimmer, Lesezimmer, Spielzimmer und einen Vortragssaal.
In der Einladung zur Eröffnung wurde erstmalig der Begriff „Volksheilbad Liebenstein " verwendet. http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/p9e0a65e9949fdd00/
Dieser bezog sich aber auf den Ort und erst später auf die Gesundheitseinrichtung.

Archiv W.Malek
Archiv W.Malek

Die Ansicht  von 1956 zeigt das Palais, als es Klubhaus der SVA  ( Sozialversicherungsanstalt der DDR ) war.

Kuppelsaal Palais Weimar - Archiv W.Malek
Kuppelsaal Palais Weimar - Archiv W.Malek
Palais Weimar mit IFA F9
Palais Weimar mit IFA F9