Villa Schellenberger

Katja Heidi Wiener, geb. Schellenberger, stellt drei Bilder zur Verfügung, die eine Vorstellung der Villa ihrer Eltern aus den 1930ern vermittelt.

April 2012
April 2012
Anzeige von 1914 - Archiv W.Malek
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Elfriede Schellenberg 103 Jahre.docx
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Anzeige im Stammgast vom 12.11.1907 aus der Sammlung Harry Stein
Anzeige im Stammgast vom 12.11.1907 aus der Sammlung Harry Stein

Katharina Wiener, geborene Schellenberger, die heute in Grünheide lebt, erzählt:
Das Haus Schellenberger, das ursprünglich in etwa die gleiche Größe des rechts daneben befindlichen Wohnhauses der Familie Wisner hatte, wurde vom Dentisten Hermann Schellenberger ( *14.04.1881 Wasungen, +01.04.1960 Bali)  Anfang des 20. Jahrhunderts käuflich erworben. In der Badewoche von 1914 findet sich das Inserat: „ Dentist Schellenberger –Atelier für Zahnleidende – 
Schmerzlose Behandlung morgens 10 bis 12 und nachmittags 2 bis 5 Uhr! “
In Hermann Schellenbergers erster Ehe wurden drei Kinder geboren. Der jüngste Sohn Carl  (*1913 Bali, + 1989 Würzburg) wurde auch Dentist, praktizierte zunächst auch zusammen mit dem Vater, verließ diesen jedoch bald in Richtung Franken. Die Tochter Emmi war als Krankenschwester im Sanatorium „Hugo Gefroi“  beschäftigt. Tochter Gertrud  Maus betrieb eine Zahn-Arzt-Praxis in Wasungen, die vor seiner Liebensteiner Zeit schon ihr Vater innehatte.  Nach dem Tod von Hermanns erster Frau und 6jähriger Witwerzeit heiratete er Elfriede, genannt Friedl. Diese stammte aus Schmalkalden und war Bankbeamtin bei Wachenfeld & Gumprich. Das Bankhaus war im rechten Gebäudeteil der Schellenbergers als Zweigstelle eingerichtet worden.
1950 wechselte
  Hermann Schellenberger fast 70jährig noch in die Poliklinik Haus II. Das Druckmittel zum Wechsel bestand darin, nur im Angestelltenverhältnis in der Poliklinik eine gesicherte Altersvorsorge zu bekommen. Dort praktizierte er  
seine letzten Berufsjahre zusammen mit den Zahnärzten Glanz und Obmann. Übrigens hatten beim Dentisten Schellenberger die Zahnärzte Schmidt (Barchfeld) und Hubert Ruhmann (Schweina) eine Ausbildungsphase durchlaufen.
Elfriede Schellenberger, die Mutter von Katharina Wiener, überlebte ihren Mann um ca.55 Jahre. Ende Juli 2015 starb sie knapp 104jährig in Berlin / Grünheide. Noch mit 102 Jahren war sie geistig sehr fit, sodass es bei einigen Gesellschaftsspielen dazu kam, dass  gegen Elfriede keiner antreten wollte. Als eine der  
„Leuner-Lerchen“ und Gründungsmitglied des Singkreises ist sie vielen Liebensteinern im Gedächtnis geblieben.
Das Bankhaus Wachenfeld & Gumprich wurde 1881 in Schmalkalden gegründet. Es hatte zeitweise 7 Filialen und beschäftigte durchschnittlich 30 Mitarbeiter. 1930 wurde das Bankhaus in eine Komanditgesellschaft umgewandelt. Gesellschafter waren die Erben von Else Wachenfeld und Familie Gumprich. 1938 wurden die jüdischen Gesellschafter aus der Bank gedrängt. Max Gumprich wurde wie viele andere jüdische Bürger in das KZ Buchenwald deportiert. Nachdem er offensichtlich der Enteignung seines Vermögens zugestimmt hatte, konnte er mit seiner Frau über Cuba in die USA fliehen. Die Bank für deutsche Industrie-Obligationen in Berlin schickte ihren stellvertretenden Direktor, Hans von Dadelsen, mit 100.000 RM nach Schmalkalden und die Bank hieß von da an Wachenfeld's Erben & von Dadelsen. Alle Banken wurden am 26.07.1945 auf Betreiben der SMAD in der SBZ geschlossen. Die Bankiers der kleinen thüringischen Banken, darunter die Bank Wachenfeld's Erben &  von Dadelsen, schlossen sich zusammen, um die Wiedereröffnung der Banken zu erreichen. Dies gelang Anfang November 1945. Das Gesetz über das Bankwesen vom 25.02.1949 verbot dann jedoch die Wiederaufnahme privater Bankgeschäfte. Die noch bestehenden Privatbanken gingen in das Eigentum des Landes Thüringen über. Das Bankhaus Wachenfeld's  
Erben & von Dadelsen wurde, ein Liquidationsverfahren umgehend, am 25.07.1949 von Amts wegen im Handelsregister A gelöscht. Die Akten der Bank wurden im November 1993 durch das Thür. Staatsarchiv Meiningen übernommen.
 Das Wohn- und Geschäftshaus ist heute im Besitz von Roland Daigorat.