Korällchen

Aufnahme vom 08.04.2015
Aufnahme vom 08.04.2015

Die Umgebung Liebensteins enthält eine große Zahl von Gängen  http://de.wikipedia.org/wiki/Gang_(Geologie)  . Sie unterscheiden sich jedoch von den Mineral- und Erzgängen in jeder Hinsicht. Ihr Inhalt ist Magma der Tiefe, das an Rissen, Schwächestellen im Gestein, emporgedrungen ist, meistens in der Zeit des Unter- und Mittelrotliegenden, also noch vor der Entstehung der Zechsteinriffe, weshalb die Gänge auch nie den Riffkalk  http://de.wikipedia.org/wiki/Riffkalk    , sondern immer älteres Gestein, Granit, Gneis und Glimmerschiefer durchsetzen. Die Gänge bestehen aus Graniten, Porphyren und Granitporphyren der verschiedensten Zusammensetzung, die sich auch immer vom Nachbargestein scharf abheben. An den Gangwänden hat häufig eine raschere Erkaltung des Magmas stattgefunden, weshalb hier, an den "Salbändern", eine fein kristallinere Form des betreffenden Magmas zu finden ist. Von solchen einfachen Gängen mit chemisch einheitlicher Magmafüllung sind aber die sogenannten gemischten Gänge zu unterscheiden. Gerade sie sind ein besonderes Charakteristikum der Liebensteiner Gegend. Sie enthalten nicht nur ein Magma, sondern eine chemisch deutlich differenziertere Füllung. Kieselsäurereiches Gestein hellerer Farbe bildet meist die Mitte des Ganges, kieselsäureärmeres, das wegen seines geringeren Quarzgehaltes dunkler, basaltähnlicher ist, bildet die Ränder, die Salbänder des Ganges. Am Eselsprung und Katzenstein bilden solche Gänge hoch aufragende Felsklippen, die, weil sie quer zum Tal verlaufen, das vom Atterode herkommende Bächlein zu kräftiger Erosionsarbeit zwingen. Der geologisch interessanteste gemischte Gang ist aber am Korällchen aufgeschlossen; heute allerdings nur noch schlecht, da der Steinbruchbetrieb hier schon längere Zeit ruht ( Der Artikel stammt vermutlich aus den 1920ern, nach der Wende wurde der Steinbruch "gereinigt", das ist aber zum großen Teil wieder zugewachsen !).
In der beigegebenen Abbildung ist der Befund im gemischten Gang im Korällchen zu skizzieren versucht worden. Das Nebengestein, in dem der Gang aufsetzt, ist eine helle Abart des Liebensteiner Gneises (gn), der auch hier Sockel des Korallenriffs gewesen ist ( zk Riffkalk); das "liegende" (rechte) Salband ist ein 3 -4 m mächtiger Mesodiabas (md), ein sehr dunkles feingliedriges Eruptivgestein, das an der Berührungsstelle mit dem Gneis eine Kontaktzone (K) von völlig dichtem Melaphyr (ml) bildet, der schokoladenbraun angewittert ist. Dann folgt als Gangmitte von fast 10 m Mächtigkeit ein Granitporphyr (gp) von rötlichgrauer Grundmasse mit " Einsprenglingen " von schön rot umrandeten großen Feldspatkristallen und dunkleren kleinen Quarzhörnern. Außerdem sind ihm bis kindskopfgroße unregelmäßig umrissene Brocken des Salband-Mesodiabasgesteins eingeschlossen. ( In der Abbildung sind alle Einschlüsse unverhältnismäßig stark vergrößert gezeichnet !) Das hangende (linke) Salband ist ebenfalls  wieder  Mesodiabas. Aus mehreren Gründen muss man annehmen, dass der Magmateig, ehe er in die Spalten eindrang, bereits in ein saures helleres und ein basisches dunkleres Magma geschieden war. Noch vor dem Erkalten der Randmassen konnte der mittlere Magmateig Brocken des Salbandgesteins mit einschmelzen. Wahrscheinlich ist dann die ganze Gangfüllung allmählich aber gleichzeitig erstarrt. Die mineralischen Einsprenglinge des mittleren Granitporphyrs aber sind sicher nichts weiter als bereits in der Tiefe frühzeitig ausgeschiedene Bestandteile des Magmas. 
Aus "Erdgeschichtliche Streifzüge in Liebensteins Umgebung" von Dr. E. Lorey,
                                                                                         Studienassessor am Pädagogium

Skizze zur Darstellung des Korällchens
Skizze zur Darstellung des Korällchens
Eruptivgestein im Korällchen - Foto Kley
Eruptivgestein im Korällchen - Foto Kley