Helmut Hölzer

Helmut Hölzer ( * 27.02.1912 Bad Liebenstein, + 19.08.1996 Huntsville  ( Allabama) )  besuchte die Volksschule in Bad Liebenstein  http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_H%C3%B6lzer.  Er war begeisterter Hobbysegelflieger und nutzte wie viele andere auch die Möglichkeiten, die mit dem Gelände auf der Alten Warth dazu gegeben waren.
Eine seiner Erfindungen war ein Messgerät, mit dem die Beschleunigung an Flugzeugen gemessen werden konnte. Es arbeitete nach dem Prinzip des von ihm entwickelten ersten elektronischen Analogrechners der Welt (Röhrentechnik). 

Am Anfang des Zweiten Weltkrieges wurde er dienstverpflichtet und nach Peenemünde geschickt. Dort  traf er  erstmals mit Werner von Braun zusammen. Gemeinsam mit diesem war er unter anderem an der ersten Mondlandung des Menschen  (Apollo) beteiligt. Er entwickelte dazu als  Direktor of Computing am Marshall Space Fligth Center die Fernsteuerung der Mondraketen.
Helmut Hölzer heiratete am 22.06.1940 Anni Geißler in Peenemünde. Der aus dieser Verbindung 1944 geborene Sohn Hartmut Hölzer lebt in Suhl. Nach Aussage von Emmi Reum, die Hausmädchen bei Frida Hölzer in der Pension Helene war, kehrte Helmut Hölzer Anfang 1945 mit Frau und Sohn von Peenemünde nach Liebenstein zurück. Helmut machte sich aber nach kurzer Zeit alleine auf den Weg in Richtung Peenemünde. Es werden sicher mehrere Gründe gewesen sein, warum ihn seine Frau Anni nicht begleitete.
Aufgrund der Bombardierung Peenemündes musste der 32-jährige sich mit seiner Erfindung in das Forsthaus von Neu Pudagla retten. Während er dort sein Gerät weiterentwickelte, lernte er die Tochter des Försters Muschwitz kennen, welche er nur ein Jahr später heiratete.

Seine Enkelin Margaret Hölzer ist u.a. Schwimmweltmeisterin über 200 m Rücken. 
Der Hölzerbrunnen in der Herzog-Georg-Straße vor der Gärtnerei Bachmann erinnert an seine Vorfahren, die dort eine Gärtnerei und ein Thüringer Steinwerk http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/p93e89e808da3aec8/ betrieben hatten.

 

Hans Hoelzer, der Sohn von Helmut

TBE Fellow and Senior Systems Engineer at Teledyne Brown Engineering

Ort Huntsville, Alabama
Branche Verteidigung & Raumfahrt


Von links: Helmut Hoelzer, Eberhard Rees, Wernher von Braun. Das Foto entstand in Huntsville, Alabama, 1968 im Computer Labor des Marshall Space Flight Center. Hoelzer war dort Direktor.

nordkurier
Mit Analog-Rechner von Vorpommern zum Mond
Von unserem Redaktionsmitglied     Sandra Grüning
Ohne seine Erfindung wären die Amerikaner 1969 wohl nicht auf dem Mond gelandet. Helmut Hoelzer gilt als einer der Computer- und Raketenpioniere. Der von ihm in Peenemünde und Neu Pudagla entwickelte Analog-Rechner wurde vom amerikanischen Marshall Space Flight Center in die Apollo-Mondraketen eingebaut. Gestern wäre Hoelzer 100 Jahre alt geworden.
Peenemünde/Neu Pudagla.,,Er hatte immer einen lustigen Spruch, meist von Busch, auf den Lippen“, erinnert sich Forstdirektor Norbert Sündermann aus Neu Pudagla an den Raketenpionier, den er 1992 kennen gelernt hat.
Schon als Jugendlicher habe sich Helmut Hoelzer als leidenschaftlicher Segelflieger ein Gerät gewünscht, das ihm die Fluggeschwindigkeit über Grund anzeigt. Die Fluggeschwindigkeit über Grund bezeichnet die wahre Fluggeschwindigkeit eines Objektes. In ihre Berechnung fließen auch Daten wie Rücken- oder Gegenwind mit ein. In den 1920er Jahren gab es jedoch kein Gerät, das Messwerte elektronisch verarbeiten konnte.
Um für seine Idee eine praktische Lösung zu finden, studierte Hoelzer — 1912 in Bad Liebenstein in Thüringen geboren — in Darmstadt Elektrotechnik und wurde Assistent an der dortigen Ingenieurschule für Luftfahrttechnik. Doch niemand nahm seine Forschung an einem Rechenapparat ernst. Zunächst auch in Peenemünde nicht. Dorthin war er 1939 als Spezialist für Fernsteuerungssysteme dienstverpflichtet worden. „Er war kein NSDAP-Mitglied, aber es darf trotz seiner Leistungen nach dem Krieg nicht beschönigt werden, dass er am Raketenprogramm der Nationalsozialisten beteiligt war“, sagt Sündermann.
In seinem Labor entwickelte Hoelzer einen Simulator, mit dem er Flugbahnen voraussagen konnte. 1941, im selben Jahr, in dem Konrad Zuse den ersten Digitalcomputer entwickelte, war auch Hoelzers analoger Simulator einsetzbar. Anders als bei Zuse wurden in ihn aber keine binären Werte eingespeist, sondern echte physikalische Größen wie geometrische Längen oder Winkel. Ähnlich einem Rechenschieber konnte Hoelzer damit Flugexperimente simulieren und gleichzeitig abbilden. Die Bombardierung Peenemündes hätte seine Erfindung fast zerstört. Ins Forsthaus von Neu Pudagla gerettet, konnte der 31-Jährige seinen Apparat dort weiterentwickeln und lernte ganz nebenbei die Tochter des Försters Muschwitz kennen. Die beiden heirateten nur ein Jahr später.
Auch wenn sie 1946 in die USA übersiedelten, habe eine Tochter noch heute Kontakt zum Usedomer Forst. „1994 haben meine Frau und ich Hoelzer in den USA besucht“, erzählt Sündermann. Hoelzer war in Huntsville (Alabama) Direktor für Computing am Marshall Space Flight Center.
Seine Analogrechner wurden in die Apollo-Mondraketen integriert und errechneten in Echtzeit die Flugbahn zum Mond. „Mit den digitalen Rechnern wäre das unmöglich gewesen — zu langsam und zu riesig“, meint Sündermann.
Auf der Rückreise von Amerika sei ihm die Idee zu dem Gedenkstein gekommen. 1995 mit einer von Konrad Zuse geschriebenen Laudatio eingeweiht, hat Hoelzer ihn jedoch nie zu Gesicht bekommen. Er konnte nicht mehr reisen und starb 1996. Gestern wäre sein 100. Geburtstag gewesen.
 

                                                        Geschrieben im Februar 2012

Foto: Dr. Reinhard Malek
Foto: Dr. Reinhard Malek
Die Mitarbeiter des Forstamtes Neu Pudagla vor dem Gedenkstein für Hölzer
Die Mitarbeiter des Forstamtes Neu Pudagla vor dem Gedenkstein für Hölzer
  Bedeutende Naturwissenschaftler und Erfinder
   Auf Einladung des Fachbereichs Informatik  und des Rechenzentrums weilte der Computerpionier und Raketenforscher Dr.-Ing. Helmut Hoelzer zu einem Gastvortrag in unserer Universität. Hauptanlaß dieser Einladung war ein
1991 in der Geschichte der Rechentechnik zuverzeichnendes 50jähriges Doppeljubiläum: Zum einen wurde 1941 durch Konrad Zuse
der erste voll funktionstüchtige programmgesteuerte Rechenautomat der Welt fertiggestellt (der 80jährige K. Zuse berichtete im Oktober 1990 während eines Vortrages im Senatssaal über seine Arbeiten an diesem Rechenautoma-
ten). Zum anderen fällt in das Jahr 1941 außerdem die »Geburtsstunde« des ersten universellen vollelektronischen Analogrechners; diesen Rechner hat H. Hoelzer in Peenemünde konstruiert.
Nach mehrmaliger Terminverschiebung (zuletzt wegen des plötzlichen Streiks des Flugpersonals) konnte der Gastvortrag Dr. Hoelzers, der heute in den USA lebt, schließlich am 26. Mai im Senatssaal stattfinden.
Der Gast wurde im RZ von Herrn Dr. Schirmbacher begrüßt und zu Beginn des Vortrages von Herrn Prof. Dr. Schwarze den zahlreichen Zuhörern vorgestellt. Sodann berichtete Dr. Hoelzer, der sich als außerordentlich rüstiger und humorvoller Redner erwies, von seinen damaligen Entwicklungsarbeiten an seinem Rechner, von dessen Architektur und Funktion sowie vom späteren Schicksal dieses Gerätes.
Helmut Hoelzer, 1912 in Bad Liebenstein in Thüringen geboren, hat ab 1931 an der Techni schen Hochschule Darmstadt Elektrotechnik studiert und dort 1946 bei Alwin Walther mit dem Thema »Anwendung elektrischer Netzwerke zur Lösung von Differentialgleichungen und zur Stabilisierung von Regelvorgängen«
promoviert. In den Jahren 1937-38 war er als Assistent an der Ingenieurschule für Luftfahrttechnik in Darmstadt tätig und danach bei Telefunken in Berlin im Laboratorium für Hochfrequenzforschung.
Ende 1939 wurde er nach Peenemünde an das Raketenforschungszentrum dienstver-
pflichtet und als Spezialist für Fernsteuerungssysteme eingesetzt. Nach dem Krieg siedelte er 1946 mit mehreren Mitarbeitern des Forschungsteams in die USA über; dort war er u. a. viele Jahre (bis 1973) »Director of Computing« im Marshall Space Flight Center in Huntsville.
In den Jahren 1973-76 arbeitete H. Hoelzer wieder in Deutschland als Berater für ein Raumfahrt-Projekt; von 1978 an war er amtierender Vizepräsident einer amerikanischen Gesellschaft für »Internationale Raumfahrt-Technologien«. Seit 1982 lebt er in Alabama im Ruhestand.
Zur Analogrechentechnik kam Hoelzer in jungen Jahren durch sein Hobby, das Segelfliegen. Er suchte nach einer praktikablen Methode, die Fluggeschwindigkeit über Grund von Flugzeugen zu messen, da es bis dato dafür noch keine Meßgeräte gab! Hoelzer entwickelte ein Verfahren, mittels eines Feder-Masse-Dämpfungssystems die Beschleunigung zu messen und durch deren zeitliche Integration die Geschwindigkeit zu ermitteln. Die elektronische Umsetzung der Integration führte zur Entwicklung eines Integrierers, dem wichtigs-
ten Rechenelement eines Analogrechners.
Hoelzer hatte einen solchen Integrierer (s. Abb. 2) bereits 1935 vorgeschlagen, also noch während seiner Studienzeit. Er plante, daraus ein universelles Gerät zu entwickeln; dieser Plan konnte schließlich in Peenemünde realisiert werden, und 1941 war der erste vollelektronische Analogrechner in der Computerge-
schichte fertiggestellt. Das Gerät enthielt neben den gängigen Rechenelementen eines Analogrechners auch Dividierer, Schaltkreise zur Quadratwurzelbildung sowie Differenzierer (s. Abb. 3), die im Raketenforschungszentrum zur Simulation der Flugmechanik und der Steuerungssysteme benötigt wurden.
Die Maschine wurde 1946 als Kriegsbeute in die USA gebracht und dort von der US Army weiterverwendet.
Hoelzer hat in Peenemünde auch ein Funkleitsystem und ein stabiles Kurssteuerungssystem für Fluggeräte und Raketen entwickelt. Auf
diese Entwicklungen wurde zwei Jahrzehnte später bei der Fernsteuerung der amerikanischen Mondfahrzeuge ganz wesentlich wieder zurückgegriffen, denn H. Hoelzer war im Apollo-Programm unter der Leitung von W. v. Braun maßgeblich mit an der ersten Mondlandung beteiligt.
Für seine Verdienste um die Raumfahrt hat Dr. Hoelzer mehrere Auszeichnungen erhalten, u. a. die Außerordentliche Verdienstmedaille der NASA sowie die Kopernikus-Medaille des Kuratoriums »Mensch und Weltall«