Zeittafel Burg Liebenstein      

 

  

Wappen der Familie vom Stein zum Liebenstein
(Anfang des 17. Jh.)

Nach Johann Siebmacher, New Wapenbuch, 1605

 

Prunkwappen in zeitgenössisch üblicher Gestaltungsweise. Auf Dokumenten früherer Jahrhunderte erscheint das Wappen schlichter gestaltet. Das Schild mit zwei schwarzen Schrägbalken ist jedoch als erbliches Zeichen bis ins 14. Jh. zurück zu verfolgen und bis zum Aussterben des jüngeren Zweiges der Familie, Stein-Liebenstein zu Barchfeld, erhalten geblieben. Das Wappen führte den Wahlspruch "Stand in der Sach erwirbt Lob".

 

Bei Besitzteilungen, örtlich getrennt lebenden Linien oder nach dem Aussterben älterer Familienzweige wurden die Familienwappen manchmal variiert. Anfang des 17. Jh. führten Hermann, der auf Burg Liebenstein lebte, das hier gezeigte Wappen des Liebensteiner Familienzweiges und in Barchfeld Werner vom Stein ein etwas anders, aber sehr ähnlich gestaltetes Wappen. Es entstanden auch Ehe- oder Heiratswappen, bei denen nach feststehenden Regeln die Wappen der Eheleute kombiniert wurden. Heiratswappen von Ehepartnern aus den Familien Hund von Wenkheim und vom Stein zum Liebenstein bzw. Stein-Liebenstein zu Barchfeld sind heute noch in der Kirche von Schweina zu sehen. Auch am Stein'schen Schloss in Barchfeld befindet sich noch ein Heiratswappen.

Burg Liebenstein
Vermutlich 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts
Ausschnitt aus der "Tyringische Mapp oder  Landtafel..."
von Adolar Erich   https://de.wikipedia.org/wiki/Adolar_Erich 
Meisterwerk früher Thüringer Kartographie,
Kolorierter Holzschnitt : Ph. Wittel Erfurt 1625
Aufnahmen: SLUB, Deutsche Fotothek, A. Rous


         
Daten zur  Geschichte

der Burg Liebenstein bis Ende des 17. Jh. [1]

Christine Seige


Im Lehnsbrief des Markgrafen von Sachsen und Landgrafen von Thüringen Friedrich III. (der Strenge) für Wetzel II. vom Stein wird die verliehene "burgliche Baustatt"  bereits Liebenstein und ein festes Haus genannt. Danach befand sich an dieser Stelle schon vor 1360 ein Gebäude aus Stein. Möglicherweise handelte es sich um einen Wachposten zur Kontrolle der nahen Handelswege über den Rennsteig. Seine Eigentümer bzw. Besitzer sind für die Zeit vor 1360 urkundlich nicht eindeutig belegt. Nach bisherigen Annahmen war das feste Haus Liebenstein um 1330 im Besitz der Herrschaft Frankenstein, ging dann durch Verkauf an den gefürsteten Grafen Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen über und kam 1353 durch Erbschaft von Jutta von Henneberg in sächsisches Eigentum. Nach einer auch zu vertretenden Hypothese ist das feste Haus Liebenstein, vermutlich eine Turmburganlage, ein Außenwachposten der benachbarten Burg Stain (später Altenstein), gewesen und wurde zusammen mit dieser von den Herren von Frankenstein bereits um 1326 an die Herren von Salza übereignet. Heinrich von Salza verkaufte um 1345 neben dem Altenstein möglicherweise auch den Liebenstein an den Markgraf von Sachsen und Landgraf von Thüringen Friedrich den Ernsthaften.

Die Angehörigen der seit alters auf der benachbarten Burg Altenstein lebenden Adelsfamilie vom Stein, über lange Zeiten Burgmänner unterschiedlicher Lehnsherren, standen schon vor 1360 in sächsischen Diensten. So hatte Wetzel I. bereits vor 1340 in Creuzburg  ein geerbtes sächsisches Burglehen.

Die Genehmigung zum Bau einer adligen Wohnburg für Wetzel II. stellte um 1360, in der Zeit des Übergangs vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit, eine Ausnahme dar, die im Zusammenhang mit seiner und seines Vaters verdienstvollen Stellung am Hofe der sächsischen Markgrafen und Thüringer Landgrafen zu sehen ist. Die Zeit des Burgenbaus war fast vorbei. Die Landesherren, die das so genannte Befestigungsregal innehatten, genehmigten nur noch selten den Bau von Burgen.


Zeittafel

1360   Mit der Lehenvergabe des Liebenstein entsteht das Burggut bzw. die Grundherrschaft Liebenstein. Dazu zählen nach Urkundenangaben zunächst der Ort Grumbach, der Sauer- und der Sandberg, der Röderhof (Nähe der heutigen Wanderwegskreuzung Gleisdreieck), Wiesen, Wälder und Weiden. Später kamen weitere „Zugehörungen“ dazu. Die Gemeinde Grumbach besitzt vermutlich, wie die benachbarten Gemeinden Schweina und Barchfeld, einen Dorfrat und eine Gemeindeordnung.

1360 – vor 1374   Ausbau der Burg Liebenstein durch Wetzel II. vom Stein und seine Brüder.

1374   Die Gebrüder vom Stein verpflichten sich in einer Vereinbarung, dem Thüringer Landgrafen Balthasar die Burg Liebenstein für militärische Zwecke gegen den Sternerbund in Hessen zur Verfügung zu stellen.

Diese Vereinbarung ist in Zusammenhang zu sehen mit Feldzügen der Wettiner nach Hessen im Rahmen ihrer Bündnisverpflichtungen zur Unterstützung der hess. Landgrafen gegen die Sterner und im Konflikt mit Herzog Otto dem Quaden von Braunschweig-Göttingen. „1374 zog Markgraf Wilhelm I. von Meißen nochmals mit einem beträchtlichen Heer im Umfang von etwa 500 Lanzen gegen die Sterner. Der Feldzug dürfte zwischen Wilhelms Aufenthalten in Weimar am 16. August und in Kassel am 3. Oktober 1374 einzuordnen sein.“ [2]

Um 1386   Eine Urkunde von 1386 belegt die Dotierung eines Kapellans und die Durchführung des Kirchendienstes auf Burg Liebenstein.  Demnach ist die Burg Liebenstein spätestens zu diesem Zeitpunkt bezogen worden. Von den vier Söhnen des Wetzel I. bleibt Heinrich, der älteste auf dem Altenstein. Neben Wetzel II. zählen vermutlich seine beiden jüngeren Brüder zu den ersten Burgbewohnern.  Sie nennen sich nun „vom Stein zum Liebenstein. 

1. Hälfte 15. Jh.   Burg Liebenstein wird der Stammsitz der Nachkommen von Wetzel II. Sie bleibt im 15. Jh. wohl  ohne Unterbrechung  bewohnt. Die Familie vom Stein zum Liebenstein ist in dieser Zeit sehr wohlhabend. Sie  besitzt im Werra-Tal, etwa zwischen Einödhausen und Sontra zahlreiche Güter, Einkünfte und Ämter.

Um 1422 wird Heinrich vom Stein, der bis dahin im Stein’schen Schloss zu Barchfeld lebte, Alleinerbe aller Stein’scher Güter und damit auch Besitzer der Burg Liebenstein. Heinrich vom Stein zum Liebenstein wurde bekannt durch seine Tätigkeit als Rat für die Grafen von Henneberg und in deren Auftrag Amtmann von Kaltennordheim. Die Grafen von Henneberg vertrauten ihm schwierige Rechtsfälle auf höchsten gesellschaftlichen Ebenen zur Schlichtung an.

2. Hälfte 15. Jh.   Urkunden belegen Verpfändungen und Verkäufe aus dem Familienbesitz. Unter den Ursachen spielen die Mitgiftzahlungen für die Töchter der Familie eine bedeutende Rolle. Es kommt auch zu Verschuldungen. Auf Burg Liebenstein führt Hans vom Liebenstein (gest. 1517) über mehrere Jahrzehnte ein "langes und lustiges Leben" (Zitat F. Stein-Schlotheim)

1517 – ca. 1548   Die Burg wird von Heinrich und Philipp vom Stein zum Liebenstein, den derzeitigen Besitzern, nicht selbst bewohnt, sondern nur von einem Burgwart, einigen Burgschützen und einem Ökonomieverwalter betreut.

 

1525  Im Bauernkrieg wird die Burg nicht gestürmt, da Philipp, im Barchfelder Schloss lebend, die Forderungen der Bauern des Werrahaufens  unterzeichnet. Marodierende Gruppen zerstören jedoch Atterode, das überwiegend zum hennebergischen Lehen der Familie vom Stein zum Liebenstein gehört, und sehr wahrscheinlich auch den Röderhof, ein Vorwerk der Burg Liebenstein am Weg von Steinbach nach Atterode. Heinrich vom Stein zum Liebenstein, der Vater von Asmus, wird 1525 bei Würzburg ermordet.

 

1533  Mit dem Erreichen der Volljährigkeit wird Asmus vom Stein zum Liebenstein, zusammen mit seinem Onkel Philipp mit Burg Liebenstein belehnt. Er lässt die Burg in den Jahren danach oder möglicherweise auch erst nach seiner Teilnahme am Schmalkaldischen Krieg sanieren und ausbauen.

 

1536  Seit dem Tode seines Onkels Philipp, der im Steinschen Schloß in Barchfeld lebt, ist Asmus Alleinerbe und -besitzer bzw. -eigentümer aller Steinschen Güter.

 

1547  Asmus nimmt an der Schlacht bei Mühlberg teil. Er gehörte möglicherweise zum Fähnlein des Barthold von Wintzingerode und kämpfte sehr wahrscheinlich schon in den Jahren zuvor an anderen Orten, wohl im Donau-Feldzug, im Schmalkaldischen Krieg.

 

Ab etwa 1548    lebt Asmus vom Stein zum Liebenstein auf Burg Liebenstein. Er ist in erster Ehe mit Anna von Wangenheim verheiratet. Sie stirbt vor 1551. Aus dieser Ehe geht Georg Ernst hervor, der Erbauer des Stein’schen Schlosses in Barchfeld, das verfallen heute noch steht. In zweiter Ehe ist Asmus später mit Margarethe von Hundelshausen verheiratet. Aus beiden Ehen gehen zusammen elf Kinder hervor.

Der Schmalkaldener Chronist Johann Geisthirt notiert bei seinem Besuch der Burg 1714, dass über dem Tor in der Zwingermauer die Zahl 1550 eingraviert ist, ein Datum dass auf den Tod der jungen Anna von Wangenheim oder das Geburtsdatum von Georg Ernst verweisen könnte. [3]

 

1554    Asmus verstärkt die Befestigung der Burg Liebenstein und wehrt dadurch die Belagerung durch Braunschweiger Truppen ab (Zweiter Markgrafenkrieg 1552 - 1555). Über dem Eingang zum Palas befindet sich bis heute die Jahreszahl 1554.

 

1567 - 1570   Während der Grumbachschen Händel wird Burg Liebenstein am 7.2.1567 durch eine Einheit des Kaiserlichen Exekutionsheeres unter Führung des Rittmeisters Georg von Heinitz, in Abwesenheit des Burgherrn Asmus vom Stein zum Liebenstein, kampflos eingenommen. Seine Frau Margarethe muss mit zehn Kindern die Burg verlassen. Der älteste Sohn Georg Ernst wird verhaftet und nach Weimar verbracht. Die Burg bleibt knapp drei Monate besetzt. Die Landknechtstruppe verbraucht die Nahrungsmittelreserven und verkauft den größten Teil des  Inventars. Ab 1. Mai 1567 verwaltet Burg und Burggut der sächsische Vogt Caspar Specht, der vom Amtsschösser zu Salzungen eingesetzt wurde.

 

1570   Burg Liebenstein wird an die Söhne des 1568 in Hessen ermordeten Asmus vom Stein zum Liebenstein als sächsisches Lehen vergeben. Nach dem Erbteilungsvertrag von 1572 wird die Burg dem zweitältesten Sohn, Hermann vom Stein zum Liebenstein, zugesprochen. Er lebt jedoch bis Ende des Jahrhunderts überwiegend auf dem Gut Sorga, wofür finanzielle Gründe maßgeblich gewesen sein dürften.

 

1599  Nach Jahrzehnten mangelhafter Erhaltung wird die Burg Liebenstein zum zweiten Mal im 16. Jh. renoviert und ausgebaut. Mit dem Bezug durch Hermann vom Stein zum Liebenstein und seine Familie beginnt die letzte Blütezeit der Burg.

 

1608 - 1618    Hermann vom Stein zum Liebenstein macht seinen Freund und Lehnsherrn Herzog Johann Casimir (Sachsen-Coburg) auf die seit langem als heilkräftig bekannte Quelle unterhalb des Burgberges aufmerksam. Der Herzog lässt sie untersuchen (1610 Brunnenschrift des A. Libavius) und als Brunnen fassen. Er kommt zehn Jahre lang mit großem Gefolge zu längeren Aufenthalten und zum Trinken des Heilwassers. Hermann lässt die Siedlung Suirborn vergrößern und eine Schule einrichten. Nach dem Tode von Hermann (24. August 1618) und mit dem gleichzeitigen Ausbruch des 30jährigen Krieges brechen die Blütezeit der Burg und  die anfängliche Entwicklung von Suirborn zu einem Bad ab.

 

1618 - 1648  Bevölkerung und wirtschaftliches Leben werden im mittleren Werratal durch die Kriegswirren, Krankheiten und Hunger fast völlig vernichtet. Auf Burg Liebenstein, wo die Söhne von Hermann, der Kais. Oberstleutnant Georg Reinhard und Major Bernhard Heinrich vom Stein zum Liebenstein (beide 1669 gest.) ihren Wohnsitz haben, sterben während der Kriegs- und Nachkriegsjahre bis 1655 alle zehn Kinder von Bernhard Heinrich.

Nach Geisthirt, a.a.O., S. 30, wurde Burg Liebenstein im 30jährigen Krieg „verwüstet“, sodass die Brüder sie danach nur im unteren Teil noch bewohnen konnten.

 

1673  Mit dem achtjährigen Raimund Johannes stirbt der letzte männliche Nachkomme der Besitzer von Burg  Liebenstein. Die Burg wird ein erledigtes Lehen und fällt an Herzog Ernst I. den Frommen (Sachsen-Gotha-Altenburg) zurück. Die letzten beiden Familienmitglieder, die Witwe von Bernhard Heinrich, Eva Johanna vom Stein und eine Tochter von Georg Reinhard, Marie Barbara, die das Wohnrecht behalten hatten, verlassen um 1678 die baufällig werdende  Burg. Bald danach soll sie ein Brand zerstört haben.

 

Ab 1681   Mit der Gründung des Herzogtums Sachsen-Meiningen fällt die Burg Liebenstein an Herzog Bernhard I. Es folgen Veräußerungen in kurzen Abständen an  den Kammerrat Waldenberger und 1702 an Hofrat Friedrich Trier. An seine Tochter vererbt, geht sie 1710 in den Besitz von Friedrich Albert von Fischern über. Im Jahre 1800 kauft Herzog Georg I

das "Ritterguth und Gericht Liebenstein" (Bezeichnung im Kaufvertrag) für das Herzogtum Sachsen-Meiningen zurück und beginnt mit aufwendigen Erhaltungsmaßnahmen der Burgruine. Auch von den später regierenden Herzogsfamilien werden Sanierungen gefördert.

In allen folgenden Epochen fanden sich gesellschaftliche Organisationen, wissenschaftliche Institutionen und engagierte Heimatfreunde, die das Weiterbestehen der Burgruine gesichert haben. Seit 1998 ist sie Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die durch regelmäßige Sanierungsmaßnahmen ihren Erhalt gewährleistet.  Eine Fortführung von archäologischen Untersuchungen und weitere Auswertungen von Archivbeständen könnten zukünftig die Kenntnisse über die Burg Liebenstein noch bedeutend erweitern.


[1]     Die Angaben in dieser Zeittafel entsprechen meinem Forschungsstand von  April 2016  und könnten zum Teil später aufgrund neuer Forschungsergebnisse einer Änderung bedürfen.

[2] Zit. n. Eckardt Leisering, Die Wettiner und ihre Herrschaftsgebiete 1349-1382: Landesherrschaft zwischen Vormundschaft, gemeinschaftlicher Herrschaft und Teilung. Halle 2006, S. 265

[3] Vgl. Geisthirt, Johann Conrad. Historia Schmalcaldica oder Historische Beschreibung der Herrschaft Schmalkalden …. [geschrieben: 1719 – 1734], Erstdruck Schmalkalden und Leipzig 1881. Neue Herausgabe als Reprint 1992, IV. Buch, S. 29. Zu Anna von Wangenheim vgl. F.H.A. von Wangenheim, Beiträge zu einer Familiengeschichte der Freiherren von Wangenheim beider Stämme, Wangenheim und Winterstein ….1874, Stammtafel VII und S. 545

 

Georg I. von Sachsen-Meiningen
Rechts das Chinesische Häuschen auf dem sogenannten Hohlen Stein und weiter rechts der Barockbau von Rossini, das Sommer-Residenz-Schlösschen der Meininger Herzöge auf dem Altenstein.
Georg I. steht im sogenannten Morgentor, ein Durchbruch, der das Morgentor-Plateau  frei gibt.
Die Felsformation, auf dem Georg I. die Papierrolle ablegt, ist uns als Nähsteinchen bekannt und war Anfang des 19. Jahrhunderts planiert worden, um einen optischen Telegraphen aufzunehmen.