Stadt und Heilbad Bad Liebenstein
1990 – 2025
Mit dem Zusammenbruch der DDR 1990 begann, wie überall in der einstigen DDR, eine neue Epoche. Groß waren die Erwartungen, die jedoch nicht zugleich erfüllt werden konnten, da die Voraussetzungen nicht gegeben waren. So musste jeder persönlich, wie auch die Stadt Bad Liebenstein ihren Weg suchen und gehen. Dieser war nicht einfach, aber er wurde Schritt für Schritt gegangen.
Zu dieser Zeit hatte Bad Liebenstein etwa 4000 Einwohner.
Mit der konstituierenden Sitzung am 28. Mai 1990, man lebte noch in der DDR, nahm die erste freigewählte Stadtverordnetenversammlung und
Fritz-Eberhard Reich (CDU), als erster freigewählter Bürgermeister von Bad Liebenstein, damals nach rund 40 Jahren Sozialismus, die Arbeit auf. Man kann wohl sagen, dass alle Mandatsträger wenig Ahnung von kommunaler Selbstverwaltung hatten. Keiner hatte dies je gelernt. Trotzdem wurde sich der Aufgaben gestellt.
Im ersten Beschluss der freigewählten Stadtverordneten-versammlung bekannten sich alle Parteien einstimmig zum Kurort. Oberstes Ziel war die Erhaltung des Kurortstatus. Dieser Beschluss ist bis in die Gegenwart gültig.
Schwerpunkte waren zur damaligen Zeit u.a. das Wohungs-problem, 350 Wohungssuchende hatte die Stadt. Um diesen gerecht zu werden, wurden 171 Wohnungen am Mühlweg und 130 Wohnungen am Hölzchen bis 1995 gebaut.
Ende 1990 wurde durch den Träger der Kur, dem ThMfSG (Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit) der Kurbetrieb im Volksheilbad, wie auch in allen anderen Kurorten Thüringens, eingestellt und die Mitarbeiter in die sogenannte „Warteschleife“ versetzt. Ende Januar 1991 wurde der Kurbetrieb gegen den Willen des ThMfSG wieder aufgenommen, der Ärger in Erfurt war groß, aber zur großen Erleichterung der Beschäftigten, denn die Mitarbeiter des Volksheilbades kamen wieder in Lohn und Brot.
Im gleichen Jahr wurde das einstige Volksheilbad (nur der medizinische Bereich) in die m&i Klinikgesellschaft der Klinikgruppe Enzensberg und in die Dr. Lauterbach Klinik GmbH aufgespalten. Das Regierungskrankenhaus Heinrich-Mann-Sanatorium wurde an die Dr. Becker Unternehmens-gruppe verkauft (seit 2013 MEDIAN Unternehmungsgruppe B.V. & Co.KG ). Alle drei Gesellschaften bauten von 1992 - 1995 neue Kliniken mit etwa 900 klinischen Betten. Genutzt wurden dafür u.a. Grundstücke der 1993 abgerissenen ehemaligen Firma Christian Luther, Fahrrad - Zubehörteilefabrik, und Wiesen des ehemaligen Volksheilbades im Stadtzentrum.
Bis 2001 war die ambulante Kur noch beim ThMfSG angesiedelt, ab diesen Zeitpunkt gingen sie und die Kurimmobilien, die teilweise leer standen, an die Stadt über. Aus dem ehemaligen „Kurhaus“, welches viele Jahre ungenutzt war, wurde ab 2006 ein vier Sterne Hotel, der „Kaiserhof“.
Das Hotel „Herzog-Georg“, ehemaliges Kurheim „Hugo Gefroi“, davor „Schneiders Hotel“, wechselte mehrmals seinen Besitzer. Seit 2014 ist die Familie Brenn aus Meimers Eigentümer. Sie errichtete nebenan eine überdachte Parkgarage, auf dessen Dach Ferienwohnungen angesiedelt sind. Die übrigen einstigen Kurheime wurden meist zu Wohnungen umfunktioniert. Das ehemalige Kurheim „Charlotte“, seit 1995 leer stehend, ist zur Ruine geworden und bis jetzt geblieben. Nach mehreren Eigentümerwechseln erwarb es die Stadt und es erfolgte ein Teilabriss, da Rücksicht auf Auflagen der Denkmalspflege genommen werden musste. Potenzielle Investoren sprangen immer wieder ab.
Im Jahre 2009 konnte das von der Stadt Bad Liebenstein neu gebaute Kurhaus in Betrieb gehen. Es wird im Pachtverhältnis betrieben.
Das Wichtigste in diesem Zusammenhang war damals der Bau einer Kläranlage mit dem dazugehörigen Kanal- und Straßenbau. Eine funktionierende Kläranlage war nach den damaligen „Begriffsbestimmungen des Deutschen Heilbäderverbandes“ Voraussetzung für den Erhalt des Heilbadstatus.
Die Kläranlage wurde im Ortsteil Meimers, (dieser Ort wurde 1993 in die Stadt Bad Liebenstein eingemeindet) gebaut, Wertumfang 13 Mill. DM, sie wurde zu 90 % vom Freistaat Thüringen und anderen gefördert. Durch das Bundesland Hessen wurde die Kläranlage mit 4,95 Mill. DM bezuschusst. Diese Förderung, von der Stadt Bad Liebenstein beantragt, bildete den Grundstock. Die Inbetriebnahme erfolgte 1994, damit wurde u.a. der Heilbadstatus gesichert.
2010 erhielt Bad Liebenstein als achter Kurort in Thüringen die dauerhafte staatliche Anerkennung als „Heilbad“ nach dem „Thüringer Kurortegesetz“.
Um den Konsumbedarf der Bürger abzudecken wurden zunächst zwei Supermärkte gebaut. Der EDEKA Markt 1994 und der TEGUT Markt 1997. Heute befinden sich fünf Supermärkte in Bad Liebenstein.
Um den Sportunterricht abzudecken entstand am einstigen Gymnasium, der heutigen Regelschule, eine Sporthalle, Inbetriebnahme 1993, die Förderung betrug 100%.
Ende November 1990 wurde die neugebaute Bushaltestelle im OT Bairoda in Betrieb genommen.
1993 fand die Grundsteinlegung für den Busbetriebshof des Reiseunternehmens Hartmann in Bairoda statt.
Ein großer Mangel in der DDR war einst die Bereitstellung von Telefonanschlüssen. Deswegen wurde eine digitale Telefonvermittlungsanlage durch die TELEKOM für das Oberland und Barchfeld errichtet. Jeder, der es wünschte, konnte dann ab 1993 einen Fernsprechanschluss bekommen. Das Investitionsvolumen lag bei 8,5 Mill. DM
1991 wurde die Stadt von Stadtgas auf Erdgas umgestellt.
1993 wurde mit dem Abriss des ehemaligen Leuchtstoffwerks, welches sich im Stadtzentrum befand, begonnen. Ein chemischer Betrieb, der u.a. Farbpigmente auf Cadmiumbasis produzierte, gehört einfach nicht in einen Kurort. Der Betrieb selbst war bereits schon nach Breitungen umgesiedelt. Daran anschließend erfolgte die Sanierung des Geländes. Auf welchem der „neue Kurpark“ entstand.
Auf dem sanierten Gelände des Leuchtstoffwerkes baute 2023 auch die „STUPP-Prozessautomation GmbH“ ein großes Gebäude indem sie ihren Firmensitz hat, sowie eine Gaststätte, eine ärztliche Gemeinschaftspraxsis und Wohnungen angesiedelt sind.
Mit der Inbetriebnahme des Klinikums Bad Salzungen Mitte der 90iger Jahre schlossen alle drei Krankenhäuser im Oberland. Aus diesen Einrichtungen, bis auf die ehemalige Chirurgie Haus 2, entstanden Pflegeeinrichtungen, betreutes Wohnen oder ähnliches. Die Arbeitsplätze konnten erhalten bleiben, und durch den Neubau des Seniorenpflegeheims „Haus Altenstein“ Fertigstellung 2005, sowie das Senioren Pflegeheim „Glücksbrunn“, Fertigstellung 2009, weiter ausgebaut werden. Am ehemaligen Krankenhaus Haus 1, der jetzigen Seniorenpflege „Haus Parkblick“ erfolgte durch einen Anbau das MVZ Bad Salzungen, Betriebsstätte Bad Liebenstein.
Oberhalb vom Elisabethpark entstand 1996 auf private Initiative der „Tierpark Bad Liebenstein“. Während am Anfang heimische Tiere wie Ziegen, Rehe und Eichhörnchen im Vordergrund standen, setzt der gemeinnützige Tierparkverein, der auch Mitglied der Deutschen Tierparkgesellschaft ist, auch auf die Aufnahme exotischere Tiere wie z.B. auf Affen.
Am Elisabethpark entstand 2022 auf dem alten Sportplatzgelände ein neuer Sportplatz mit Kunstrasen, das sogenannte „Parkstadion“. 2025 erfolgten die Gestaltung der Außenanlagen und der Bau des Sanitärtrakts. Gleichzeitig wurde aus dem ehemaligen Tennishäuschen am Sportplatz ein neuer „Jugendtreff“.
Die Rennsportgemeinschaft „Altensteiner Oberland e.V.“ hat seit 2011 begonnen eine alte Traditon des Motorsports - das Glasbachrennen - wieder aufleben zu lassen und auf einem Teil der alten Strecke Bergrennen mit internationaler Beteiligung organisiert und durchgeführt.
Im Jahre 1995 übernahm die „Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten“ das Schloss Altenstein und den 160 ha großen Landschaftspark, ein Kleinod im „Grünen Herzen Deutschlands“. Das Schloss selbst war am 02.02.1982 abgebrannt. Der Wiederaufbau erfolgt durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Mittel stehen dafür aus einem Sonderinvestitionsprogramm zur Verfügung.
Seit 2017 beherbergt das Schloss eine Gedenkstätte für Johannes Brahms, der mehrmals dort zu Besuch war.
Die 1799 bei Straßenbauarbeiten entdeckte „Altensteiner Höhle“ ist nach einer umfangreichen Sanierung, einschließlich der Außenanlagen, seit 2023 wieder für Besucher geöffnet.
Sie ist gleichzeitig Lebensraum vieler geschützter Fledermausarten.
Zum 01.01.2013 wurde die Einheitsgemeinde Bad Liebenstein gebildet. Sie besteht aus den ehemaligen selbständigen Gemeinden: der Stadt Bad Liebenstein mit ihren Ortsteilen Meimers und Bairoda, Schweina und Steinbach. Bürgermeister wurde der bisherige ehrenamtliche Bürgermeister von Bad Liebenstein Dr. Michael Brodführer (CDU). Er übte das Amt bis zum 30.06.2024 aus, ab 01.07.2024 ist er Landrat des Wartburgkreises. Susanne Rakowski (CDU), erste Beigeordnete, führte die Amtsgeschäfte bis zum 30.09.2024. Als gewählte Bürgermeisterin von Bad Liebenstein trat sie ihr Amt am 01.10.2024 an. Bei allen dieser Wahlen konnte die CDU die absolute Mehrheit im Stadtrat erringen.
Die Einwohnerzahl stieg durch den Zusammenschluss auf etwa 8000.
Städtepartnerschaften bestehen zu Melsungen in Hessen seit 1990 und zu Treon in Frankreich seit 1992. Beide Partnerschaften werden bis heute gepflegt.
Im Jahre 2017 erfolgte nach einem 2015 erfolgten Bürgerentscheid der Abriss der baufällig gewordenen und baupolizeilichen gesperrten Stadthalle. Viele schöne Stunden wurden damit zu Grabe getragen. Auf diesem Areal entstand das sogenannte „Herzog Georg Carree“ mit dem REWE Markt, Geschäften, Wohnungen und dem Kompetenzcenter der VR Bank Bad Salzungen-Schmalkalden. Gegenüber, auf dem einstigen Gelände der Keksfabrik, einst Keksfabrik Bohlig, baute die Wartburgsparkasse ein repräsentives Gebäude mit der Sparkassenfinale und Wohnungen.
Seit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes gründeten
sich zwei Reiterhöfe mit Reithallen und Unterkünften. In Bad Liebenstein selbst der Reiterhof Jutta Wagner, der aus dem einstigen volkseigenem Gut Meura im Thüringer Wald, Betriebsteil Bad Liebenstein, hervor ging.
Der Reiterhof Gutske, als zweiter, wurde 1995 auf der „Sorga“ im Ortsteil Meimers, gegründet.
Meimers selbst hat sich in den letzten Jahren überwiegend zum Wohnort entwickelt. Gegenwärtig leben hier etwa 400 Menschen.
In naher Zukunft wird sich mit dem Herzog-Georg-Carree und der Gestaltung des Geländes um den neuen Kurpark ein neues Stadtzentrum heraus bilden. Man kann einschätzen, dass sich in den vergangenen 35 Jahren viel in Bad Liebenstein getan hat. Viele Mitbürger haben Geld investiert und Investoren haben aktiv an der Gestaltung und Weiterentwicklung mitgearbeitet.
Text: Fritz-Eberhard Reich, 2025

