Stadt Bad Liebenstein und Heilbad
1945 – 1990
Am 04.04.1945 zogen die amerikanischen Truppen in Barchfeld ein. Bad Liebensteins Bürgermeister Heinrichs bat als neutralen Vertreter Herrn Albert Briel, Besitzer der beiden Hotels Bernhard und Olga in Bad Liebenstein, und Schweizer Staatsbürger mit ihm, gemeinsam mit Frau Schmidt-Sponagel, Direktorin der Gewerbeschule Schweina und Englisch-Lehrerin, sowie zwei Sanitätsoffizieren, Oberfeldarzt Dr. Hollennsen und Prof. Dr. Dermanns, die Verhandlungen zur Übergabe der Stadt und der Gemeinde Bairoda gemeinsam zu führen.
Zu dieser Zeit waren ca. 2000 verwundete Soldaten in den verschiedenen Lazaretten der Stadt untergebracht, sowie noch einmal die gleiche Anzahl an Vertriebenen und Flüchtlingen.
Vor dem Gasthaus Auerhahn in Marienthal schloss sich der Fabrikant Mittelbach aus Schweina an, der im Auftrage der Gemeinden Schweina und Steinbach die Übergabe verhandeln sollte.
Am Ortseingang von Barchfeld traf die Delegation auf ca. 30 amerikanische Soldaten. Sie erkundigten sich nach einem Offizier der möglicherweise die „Friedens-delegation“ empfangen würde, um in Verhandlungen zur Übergabe der Orte einzutreten.
Im Schloss zu Barchfeld fanden dann die Verhandlungen in der Wohnung des Herrn Börner-Sachs statt. Sie zogen sich über einen längeren Zeitraum hin, weil zuvor mit Immelborn verhandelt wurde. Die Abordnung erreichte, dass Bad Liebenstein zur Lazarettstadt erklärt wurde und die US Truppen kampflos einziehen konnten. Am 05.04.1945 um 07.00 Uhr zogen sie dann ein. Frau Schmidt-Sponagel ist es zu verdanken, dass die Übergabe aller Gemeinden ohne Blutvergießen verlief. Dadurch waren im Oberland kaum Kriegseinwirkungen zu verzeichnen.
Der 2. Weltkrieg war zu Ende.
Frau Schmidt-Sponagel schreibt in ihrem Gedächtnis-protokoll zur Übergabe am Schluss „...Es war eine angenehme Zusammenarbeit zwischen den Besatzungstruppen und der Bevölkerung. Die jeweiligen Kommandanten sprachen sich über die Bevölkerung lobend aus, und ganz besonders der letzte Kommandant Bastein Solin. Schwer liegt die Zukunft des geliebten deutschen Vaterlandes vor uns, und nur durch die Einigkeit und der Hingabe aller deutschen Männer und Frauen kann und muss der deutsche Wiederaufbau gelingen“.
Für seine Verdienste um Bad Liebenstein und des gesamten Oberlandes wurde Albert Briel (1898 – 1997) im Jahre 1991 zum Ehrenbürger der Stadt Bad Liebenstein ernannt. Er lebte seit 1920 als Hotelier in der Stadt.
Auf Grundlage der von den vier Besatzungsmächten getroffenen Vereinbarung wurde Berlin in vier Sektoren aufgeteilt. Damit die Westmächte auch einen Sektor erhalten konnten, mussten die amerikanischen Truppen aus Thüringen und Sachsen wieder abziehen.
Am 06.07.1945 zogen die Amerikaner aus Bad Liebenstein ab und die Sowjetarme zog am 08.07.1945 ein. Sie übernahm ganz Thüringen. Thüringen lag somit in der sowjetischen Besatzungszone.
Das Kurhaus „Kaiserhof“, andere Hotels und Heime wurden von den Sowjets beschlagnahmt und belegt.
Bad Liebenstein verlor seinen Kurortstatus 1941 und wurde zur Lazaretstadt erklärt. Während des Krieges waren mehr als 90 Zwangsarbeiter, meist aus der UdSSR in verschiedenen Firmen der Stadt eingesetzt. Zum Gedenken an die verstorbenen Zwangs- bzw. Ostarbeiter wurde Anfang der 1950er Jahre auf dem örtlichen Friedhof ein sowjetisches Ehrenmal errichtet. Auf diesen sind die Namen von 18 Verstorbenen eingraviert. Weiterhin liegen dort fünf verstorbene unbekannte Personen.
Nach der politischen Wende kam ein Ukrainer zum damaligen Bürgermeister und bat, ein metallenes Rosengebinde an dem Denkmal anbringen zu dürfen. Es war Oskar, ein Bruder von Boris. Boris war einer der verstorbenen Ostarbeiter, an die das Denkmal erinnert. Dem Ansinnen wurde zugestimmt.
Dass von der Rote Armee beschlagnahmte Kurhaus „Kaiserhof“ brannte am 07.11.1945. Dabei stürtzte der Turm ein und der Mittelteil brannte fast komplett aus.
Am 12.06.1946 wurde das Badehaus wieder eröffnet und der Kurbetrieb begann sich langsam zu erholen.
Im Jahre 1948 erhielt Bad Liebenstein die Bezeichnung „Volksheilbad“.
Die einstige Domäne mit dem Agnesheim erhielt von 1949 – 1952 einen modernen Neubau, den die Deutsche Wirtschaftskommission im Auftrag des Förderungsausschuss der Intelligenz veranlasste. Beide Gebäude wurden zum „Heinrich-Mann-Sanatorium“ vereinigt, zunächst als „Inteligenzheim“, und ab 1956 gehörte es zum Regierungskrankenhaus Berlin.
Nach dem Gesetz des Thüringer Landtages vom 30.05.1947, eingebracht von der SED-Fraktion, gingen die Heilbäder und Einrichtungen des Bades in Volkseigentum über. Als Treuhänder fungierte die Sozialversicherungs-anstalt Thüringen. Der bisherige Eigentümer und Ehrenbürger von Bad Liebenstein, Dr. Fritz Lauterbach wurde enteignet.
Während man 1946 2.800 Kurgäste zählte waren es 1950 schon 11.700. In den Jahren danach, bis zur Schließung der Kur, lag die Zahl bei ca. 16.000 Patienten pro Jahr. Teilweise waren diese in Privatunterkünften untergebracht. Dafür standen 1.500 Gästebetten zur Verfügung.
Das Sanatorium „Haus Thüringen“ wurde zum ersten Kindersanatorium für herzkranke Kinder eröffnet.
Am 01.04.1950 wurden die Orte Bairoda und Schweina nach Bad Liebenstein eingemeindet.
Mit der Kreisreform der DDR 1950 gehörte Bad Liebenstein zum neugeschaffenen Kreis Bad Salzungen im Bezirk Suhl.
Die einstige Augenheilanstalt in der Bahnhofstraße wurde 1951 zur Poliklinik umgebaut und eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde der „Winterbetrieb“ im Volksheilbad aufgenommen. Bis dahin war die Saison nur vom 01.05. – 30.09. jeden Jahres.
Die in der Stadt ansässigen größeren Betriebe, meist metallverarbeitende Betriebe, wurden nach Kriegsende enteignet. Durch die Rote Armee wurden die in den Betrieben vorhandenen Maschinen beschlagnahmt und als Kriegsbeute abtransportiert. Damit war die Grundlage für einen schnellen Wiederaufbau Deutschlands genommen. Im Gegensatz zu den drei Westsektoren, wo mit Hilfe des Marschallplanes der Wiederaufbau gefördert wurde.
1949 erfolgte die Gründung der DDR.
Da das Wohnungsproblem schon immer groß war, sind seit 1953 mehr als 300 kommunale Wohnungen gebaut worden.
Nach der 2. Parteikonferenz der SED 1952 begann man mit der Kollektivierung der privaten Landwirtschaft nach sozialistischem Vorbild, zunächst freiwillig und ab 1959 - 1960 unter starken politischen Druck (z.B. LPG Meimers).
Ab Mitte der 1950er Jahre entstanden in der DDR „PGHs“ (Produktionsgenossenschaften des Handwerks), so auch in Bad Liebenstein. Ziel war es, private Unternehmer sollten ihre Betriebe behalten können, der Staat übernahm jedoch Anteile und somit Mitspracherechte (z.B. PGH Südthüringer Kunst, PGH Thüringer Wald).
Mitte der 50er Jahre wurden private Firmen und Unter-nehmen unter staatlichen Druck zu „Betrieben mit staatlicher Beteiligung“ gebildet. Eine Übergangsform zwischen privaten Betrieben und volkseigenen Betrieben. So die Firma Christian Luther - erbaut 1867, 1959 Betrieb mit staatlicher Beteiligung, 1972 VEB (Volkseigener Betrieb).
Anlässlich des 10. Jahrestags der Gründung der DDR 1959 erhielt die Großgemeinde Bad Liebenstein mit Glücksbrunner Werke, Profisch, Schweina, Marienthal und Bairoda das Stadtrecht.
Von 1959 - 1963 erfolgte der Bau des Therapiegebäudes für 4 Mill. Mark.
Am 01.04.1974 wurde Schweina und Bairoda wieder ausgegliedert, Schweina wurde selbstständig und Bairoda wurde nach Meimers eingegliedert.
Auf der im Jahre 1973 stillgelegten Bahntrasse Immelborn – Steinbach wird von 1976 – 1978 eine Umgehungsstraße in Nord-West-Richtung gebaut. Der Personenverkehr wurde bereits 1968 eingestellt. Ab da lief ein Schienenersatz-verkehr.
Mit dem Bau des Kulturhauses 1982 erhielt die Stadt ein neues kulturelles Zentrum mit Gaststätte, Bühnensaal, Bar, Kegelbahn, Sauna und Jugendclub.
1982 wurde die erste moderne Konsum Kaufhalle in der Bahnhofstraße eröffnet.
Bürgermeister Heinrichs wurde 1945 von den Sowjets abgesetzt und durch Karl Eichel ersetzt. Ab diesen Zeitpunkt wurden alle Bürgermeister, neun an der Zahl, von der SED gestellt.
Während die Bürgermeister von Bad Liebenstein rasch wechselten, blieb Irmgard Schäfer (1928 – 2007) 23 Jahre Bürgermeisterin (1965 – 1988) im größten Herzheilbad der DDR. In ihrer Amtszeit wurden unter anderem die Anbauten am Therapiegebäude (Sauna, Schwimmhalle) und die Stadthalle errichtet. Mit ihrem Ausscheiden aus dem Amt des Bürgermeisters wurde sie für ihre lang-jährigen Verdienste für die Belange der Stadt 1988 zur Ehrenbürgerin ernannt.
Wie in der gesamten DDR wuchs die Oppositions-bewegung 1989 / 1990 auch in Bad Liebenstein. Der Zusammenbruch des DDR-Systems war nicht aufzuhalten. Es entstanden wie überall demokratische Bürger-bewegungen, sowie ein runder Tisch. Dies endete in freien Volkskammerwahlen am 18.03.1990. Die Wahlen brachten tiefgreifende Reformen im Bereich der Verwaltung, des Kurwesens, sowie in der Wirtschaft.
Aus den Kommunalwahlen vom 06.05.1990 ging die CDU als stärkste Kraft hervor. Die demokratisch gewählten Gremien nahmen am 01.06.1990, wie in der gesamten DDR, so auch in Bad Liebenstein, ihre Arbeit auf.
Text: Fritz-Eberhard Reich, 2025


