Nach 1866 wurde  die Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen von Schloss Altenstein nach Liebenstein verlegt, wo vor allem die Villa Feodora als Sommersitz von Herzog Georg II. genutzt wurde. Der Herzog veranlasste in vielfältiger Weise den weiteren Ausbau und die Verschönerung der örtlichen Gebäude und Anlagen im Kurzentrum um die Heilquellen, durch seinen Kunstsinn die Förderung des Theater-lebens in Liebenstein. Seine Gemahlin Herzogin Feodora unterstützte ihn, engagierte sich auch sozial für die Bevölkerung, indem sie zum Beispiel das Feodorenhospital gründete. Die Zahl der Kurgäste stieg bald beträchtlich an, kam 1871 zu der bisher höchsten Anzahl vom 1.000. 1873/74 ließ Herzog Georg II die Villa Georg bauen und nutzte sie als Sommerresidenz bis 1888, von wo an er infolge der Fertigstellung des Schlosses Altenstein die Sommeraufenthalte überwiegend dort verbrachte.

1871 wurden die Liebensteiner Kureinrichtungen und Liegenschaften auf Beschluß des Meininger Landtages an das Dresdner Bankhaus Schie verkauft. Ort und Gebiet Liebenstein blieben in staatlicher Hand . Bereits 1872 ging das Bad in das Eigentum einer Aktiengesellschaft über, 1888 an den Baron von Lafferth. Es folgten noch mehrere Besitzerwechsel bis 1913 als die Gräfin Rüdiger und der Augenarzt Dr. Graf Wiser es erwarben und unter dem Namen „Gräfliches Stahlbad Liebenstein„ weiterführten.

Die Kaltwasserheilanstalt wurde nach dem Tod von Dr. Martini von dem Ruhlaer Arzt Dr. Hesse weitergeführt und 1890 an Dr. Fülles verkauft, der mit Dr. Meyer ihr Profil veränderte und sie als Sanatorium Liebenstein neu gründete. An ihm wurden als diagnostisch-therapeutisches Institut Kuraufenthalte zur Behandlung von körperlich und seelischer Erschöpften, Reconvalescenten und heilbare Nervenkranke angeboten.

Bis in die Mitte des 19. Jh. vermittelte Liebenstein einen noch ziemlich ländlichen Eindruck. Hand- und hausgewerblich Tätige betrieben nebenbei auch noch in unterschiedlichem Maße Landwirtschaft., zu der auch die Viehhaltung gehörte. Deren Umfang war so, dass es in der Gemeinde gesondert Kuh-, Schweine- und Gänsehirten gab, die die Tiere der Besitzer gegen Entgelt hüteten. Die Einwohnerzahl von Liebenstein betrug im Jahr 1880 1.150. Wenige Jahre später, 1885 baute man am Aschenberg eine Volksschule. Ab 1889 ging die über Jahre gebaute Eisenbahnstrecke Immelborn - Bad Liebenstein in Betrieb, eine große Verbesserung für die Bevölkerung, Kurgäste und sonstige Besucher. Ab dem gleichen Jahr konnte in Liebenstein auch das sehr gute Wasser der neu gebauten  Hochdruckwasserleitung genutzt werden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh.  bewirkte die Zunahme der Industrie in Liebenstein und umgebenden Orten, dass die  Liebensteiner Schlosser- und Messermacher ihre hausgewerbliche Tätigkeit überwiegend aufgaben und in die neuen metallverarbeitenden Werke wie die Luther‘sche Metallwaren- und Schlossfabrik, die Heller‘schen Werke in Liebenstein und Schweina oder die Metallwarenfabrik R. & O. Lux als Fabrikarbeiter eintraten.

Auch die 1902 gegründete  Keksfabrik von Richard Bohlig gab zahlreichen Liebensteinern Arbeit. Frei werdende Räumlichkeiten in den Häusern wurden oft zur Privatvermietung an Kurgäste eingerichtet.

1891 übernahm die Gemeinde Liebenstein die bisher eigene Gemarkung des Bades. In diesem Jahr erhielten auch Teile des Kurzentrums von Liebenstein, Hotels Brunnenpromenade und Esplanade erste elektrische Beleuchtungen. Ludwig Heller ließ um 1902 in Liebenstein ein Elektrizitätswerk errichten, der Ort wurde allgemein mit Stromnetzen ausgestattet. 1895 wurde das bis heute das Ortszentrum prägende Postgebäude im hennebergischen Stil eines Landsitzes des 17. Jh. gebaut. 

Im Jahr 1896 wurde das herzogliche Domänengut am Aschenberg aufgelöst. Die zugehörigen Felder und Wiesen wurden an Einwohner von Liebenstein verpachtet. Die auch zur ehemaligen Eigenwirtschaft der Burgherren gehörigen hinter der Burg gelegenen Äcker, übergegangen in den Domänenbesitz, wurden aufgeforstet.

Um 1900 war die Einwohnerzahl von Liebenstein auf 1500 angestiegen. Seit 1907 trug der Ort Liebenstein den von Kaiser Wilhelm II. verliehenen Zusatztitel „Bad“. Neben dem Erwerb des Bades durch Graf Wiser und die Gräfin Rüdiger verlegte Graf Wiser 1913 seine renommierte Augenarztpraxis von Wiesbaden nach Liebenstein, die einen erheblichen Zulauf von Patienten aller Gesellschafts-schichten  und aus weit entfernten Orten bekam. 1913 begann auch der Umbau des Kurhauses zu einem erstklassigen Kurhotel, das 1914 eröffnet wurde. 1913 wurde auch der Bau der Wandelhalle und des Musik-pavillons in die Wege geleitet. In diesem Jahr entstand auch das Kurheim Olga und das Theater wurde renoviert. Eine neue Postverbindung von Bad Liebenstein nach Friedrichroda trug zur Verbesserung der infrastrukturellen Verbesserung des Ortes bei.

                       Das erste Postautomobil von Bad Liebenstein -

                       Repro: Andreas Raddatz