Herzog Bernhard III. von Sachsen-Meiningen trat die Regierung des Herzogtums im 63. Lebensjahr an, regierte nur wenige Jahre bis 1918. Er hatte als junger Mann Altphilologie studiert, besuchte antike Ausgrabungsstätten und pflegte Beziehungen zu Archäologen. Seine diesbezüglichen Aktivitäten brachten ihm großes Ansehen in diesen Kreisen, unter anderem wurde er Ehrenmitglied des Kaiserlichen Deutschen Archäologischen Instituts. Von Jugend an hatte der Herzog auch die militär-dienstliche Laufbahn absolviert. Als er im ersten Weltkrieg Inspektionsreisen als Generaloberst unternahm, übertrug er die Regierungsgeschäfte seiner Gemahlin Herzogin Charlotte.
Die Zahl der Kurgäste ging während des Krieges stark zurück. Im Müller‘schen Hotel, später Hotel Charlotte, das als Augenheilanstalt zu dieser Zeit diente, wurden vorwiegend Soldaten mit Kriegsverletzungen behandelt. Auch Liebenstein verlor im ersten Weltkrieg zahlreiche als Soldaten eingezogene Einwohner.
1916 wurde der Bau der Augenheilanstalt in der Bahnhofstraße begonnen und 1919 dann eröffnet. In der Heinrich-Mann-Straße wurde in diesem Jahr die neue Grundschule eingeweiht. Im gleichen Jahr verein-barten die Gemeinde Bad Liebenstein und die Badbesitzer Gräfin Rüdiger und Graf Wiser die Ausgemeindung des Bades mit Entschädigungszahlung an die Gemeinde, wodurch das Bad eine eigene Gemarkung besaß. 1922 wurde sie allerdings wieder eingemeindet.
1917 wurde als Trägerschaft des Bades durch Gräfin Rüdiger und Graf Wiser eine Aktiengesellschaft gegründet mit dem Namen „ Herzogliches Bad Liebenstein Thüringer Wald Aktiengesellschaft“.
Im Zuge der Novemberrevolution dankte Herzog Bernhard III. am 10. November 1918 ab. Die Monarchie war damit beendet und das Herzogtum wurde zum Freistaat Sachsen-Meiningen.
1918 war auch in Bad Liebenstein ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet worden. In den späteren Wahlen setzte sich zwar die SPD durch, jedoch bestand der Gemeinderat dann hauptsächlich aus Vertretern der Industrie, Ärzten, Hoteliers und Angestellten der Kurverwaltung des Bades.
Der Freistaat existierte bis 30.4. 1920 und wurde dann in das Land Thüringen integriert, dem ab 1. Mai 1920 auch Bad Liebenstein angehörte, dessen Einwohnerzahl auf 2060 angewachsen war.

