Herzogin Charlotte Augenheilanstalt, spätere Chirurgie (Haus II) KKH

Aufnahme März 2012, Augenheilanstalt Charlotte, späteres Haus II der Liebensteiner Krankenhäuser
Aufnahme März 2012, Augenheilanstalt Charlotte, späteres Haus II der Liebensteiner Krankenhäuser
In der ersten Reihe von links Gräfin Rüdiger, Dr.Graf Wiser und die Tochter von Herzogin Charlotte, Feodora - Archiv Gerhard Engelhardt
In der ersten Reihe von links Gräfin Rüdiger, Dr.Graf Wiser und die Tochter von Herzogin Charlotte, Feodora - Archiv Gerhard Engelhardt

Das Foto zeigt vermutlich die Gedenk- oder Trauerfeier für die am 01.10.1919 verstorbene Herzogin Charlotte, ( Gattin Bernhard III.) !   Dieses Gedenken wurde  vermutlich am Ende des Jahres 1919  in dem noch nicht fertiggestellten Gebäude der späteren Augenheilanstalt Charlotte abgehalten. 
Der demisierte Herzog hält eventuell die Traueransprache.
( Herzogin Charlotte war die Tochter von Kaiser Friedrich III. und die Schwester von Kaiser Wilhelm II. ) !

Bild der preußischen Prinzessin Charlotte, spätere Herzogin von Sachsen-Meiningen
Bild der preußischen Prinzessin Charlotte, spätere Herzogin von Sachsen-Meiningen

Herzogin Charlotte von Sachsen-Meiningen war während des Kuraufenthaltes in Baden-Baden am 01.10.1919 gestorben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_von _Preu%C3%9Fen_(1860%E2%80%931919)
Die Herzogsfamilie musste Ende 1918 abdanken.
Die Augenheilanstalt wurde am 24.07.1920 übergeben.
Seit Baubeginn 24.07.1916 gab es erhebliche Probleme
- finanzielle Schwierigkeiten,
- einen grundlegenden Wechsel der Regierungsform und
- mit dem Tod der Herzogin den Verlust einer starken   Unterstützerin

Grundsteinlegung 1916- Archiv W.Malek
Grundsteinlegung 1916- Archiv W.Malek

Zur Grundsteinlegung waren neben Bernhard III. von Sachsen-Meiningen, der gerade das Gebinde ablegt, auch Dr.Graf Wiser (1),  Forstmeister Rudolf Werner (ganz rechts-2) und  Frau Oberin Frieda Saydekampf anwesend. 

Entwurf von Hofbaurat Karl Behlert - Archiv - W.Malek
Entwurf von Hofbaurat Karl Behlert - Archiv - W.Malek
Sammlung - W.Malek
Sammlung - W.Malek

Baumeister und Hofbaurat Karl Behlert  http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Behlert  aus Meiningen hatte den Entwurf und die Bauausführung der Augenheilanstalt übernommen. Der zum Bau beauftragte ortsansässige Maurermeister Wilhelm Weyh bekam 40 gefangene Russen zur Seite gestellt. ( so hat das der Chronist formuliert und wir lassen es so stehen !)
Die Einweihung und Eröffnung erfolgte am 24.07.1920. Viele im Kriege erblindete Soldaten wurden vom berühmten Augenarzt Dr. Graf Wiser behandelt, als Assistenzarzt stand ihm Dr. Koch zur Seite. Finanziert wurde die Augenheilanstalt durch eine Spende Charlottes, durch Einnahmen aus Veranstaltungen, durch Spenden von Privatpersonen und durch die Unterstützung einiger jüdischer Kaufleute, die den Titel Kommerzienrat bekommen hatten  ( Die Aussage des Chronisten wird auch hier kritiklos übernommen !).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Haus II ( Poliklinik ) innerhalb der Gesundheitseinrichtungen des Kurbades weitergeführt ( siehe unten - Vortrag Dr.Jochen Retzlaff) !

Repro W.Malek
Repro W.Malek

Junge Kastanien sind im Wuchs vergleichbar mit Linden - die heutigen Kastanien sind zirka  120 Jahre alt  - Ansichts-Karte von 1920 unmittelbar nach der Fertigstellung der Augenheilansalt

Galeriedarstellung der Innenräume der Augenheilanstalt

1920er - Sammlung W.Malek
1920er - Sammlung W.Malek
Aufnahme von 1925 - Sammlung W.Malek
Aufnahme von 1925 - Sammlung W.Malek
Behandlungen von Augenleiden vermutlich mit Kompressen aus Zitronenmelisse - Archiv W.Malek
Behandlungen von Augenleiden vermutlich mit Kompressen aus Zitronenmelisse - Archiv W.Malek

Ein Tag nach Dr. Graf Wisers 60.Geburtstag (24.07.1921) vor dem Haupteingang der Augenheilanstalt in der Bahnhofstraße - Archiv Gerhard Engelhardt

Aufnahme Max Reich - Archiv Kai Ziegler
Aufnahme Max Reich - Archiv Kai Ziegler
Aufnahme Max Reich - Archiv Kai Ziegler
Aufnahme Max Reich - Archiv Kai Ziegler
Optiker Dinkelmeier und Schwester Frida Rothe 1921 - Archiv Kai Ziegler
Optiker Dinkelmeier und Schwester Frida Rothe 1921 - Archiv Kai Ziegler
Krankenbett AHA 1920er Foto Kley - Sammlung Kai Ziegler
Krankenbett AHA 1920er Foto Kley - Sammlung Kai Ziegler
Schweinemast in der AHA 1921 - Archiv Kai Ziegler
Schweinemast in der AHA 1921 - Archiv Kai Ziegler
Rückseite der Klinik Aufnahme 1920 - Archiv - W.Malek
Rückseite der Klinik Aufnahme 1920 - Archiv - W.Malek
Portier Söhnlein bekommt gerade die Nachricht, dass er einen fünfer im Lotto gewonnen hat - Archiv Kai Ziegler
Portier Söhnlein bekommt gerade die Nachricht, dass er einen fünfer im Lotto gewonnen hat - Archiv Kai Ziegler

Elfriede Mosebach kann den Typ der Schreibmaschine mit " Continenthal " benennen, sie hat ihr halbes Berufsleben auch auf solch einer geschrieben !

Archiv Gerhard Engelhardt
Archiv Gerhard Engelhardt

Das Bild dokumentiert höchst wahrscheinlich eine Betriebsfeierlichkeit der Belegschaft der Augenheilanstalt Charlotte. Zentral in der Mitte Dr. Graf Wiser.
Der Administrator nimmt an, dass das Foto nahe der Waldgaststätte Reichshöhe am Anfang der 1920er Jahre gemacht worden ist.

Nachdem 1928 Dr.Graf Wiser Bad Liebenstein verlassen hatte ( ein Argument war der Tod des letzten regierenden Herzogs Bernhardt III.) übernahm Dr. Werner Koch  (* 21. August 1887 in Höxter, + 19.Oktober 1966 in Bad Liebenstein )    http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/pd78723298503c767/
die Leitung der Klinik.

Aufnahme 1930 - Archiv - W.Malek
Aufnahme 1930 - Archiv - W.Malek
Archiv Kai Ziegler
Archiv Kai Ziegler
Auguste Roth 1921 als Chefsekretärin in der AHA - Archiv Kai Ziegler
Auguste Roth 1921 als Chefsekretärin in der AHA - Archiv Kai Ziegler
Nach 1933 wurden auch diese Flaggen gehißt - Sammlung L.Abendroth
Nach 1933 wurden auch diese Flaggen gehißt - Sammlung L.Abendroth
Augenheilanstalt Herzogin Charlotte - Leitender Arzt: Dr.med. W.Koch - Repro W.Malek
Augenheilanstalt Herzogin Charlotte - Leitender Arzt: Dr.med. W.Koch - Repro W.Malek
Ansichtskarte gelaufen 1961
Ansichtskarte gelaufen 1961

Vortrag zur Baugeschichte des Hauses II Bad Liebenstein zum 50-jährigen Jubiläum der Chirurgie am Kreiskrankenhaus 
          Vortrag gehalten von Dr. Jochen Retzlaff anläßlich der
Feier im Hotel Herzog Georg, Bad Liebenstein
                              am 11.6.1999


Auf die Entwicklung Liebensteins zu einem repräsentativen deutschen Heilbad hatten die Herzöge von Sachsen-Meiningen entscheidenden Einfluss genommen.
1800 kaufte Herzog Georg I. die Flecken Grumbach und Sauerbrunn von der Familie von Fischern zurück. Er begann die Entwicklung des Bades mit seiner  Sommer-residenz  Altenstein-Liebenstein. 1803 starb er.
1800 wurden beide Orte unter dem Namen Liebenstein zusammengelegt. Auch die Nachfolger des Herzogs Berhard II. Erich Freund, Georg II. und der letztregierende Herzog, Bernhard III. leisteten Wesentliches für die Entwicklung des immer bekannter werdenden Bades.
Diese Entwicklung verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Sie war nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft mit häufigen Besitzerwechseln verbunden (1880, 1890, 1902 und 1912). 1913 gab es einen mittleren Treuhandskandal, als ein Herr Polzin Konkurs angemel-det hatte, der Fellhändler Lewinstein kurzzeitig einsprang, alle beweglichen Güter entfernte und unauffindbar verschwand. Die Regelung der Verbindlichkeiten überließ er seinen Gläubigern. So kam es am 10.1.1913 zu einer Versteigerung.
Gräfin Rüdiger http://www44.jimdo.com/app/s06790 cd3cc8612fc /p891abf272862a2ac/ und Dr.Graf Wiser http://www44.jimdo.com/app/s06790 cd3cc8612fc/p2ece 71ffccb23147/ erwarben das Bad für 400.000 Mark. Graf von Wiser war ein nach heutigen Gesichtspunkten alternativ arbeitender Augenarzt mit europäischem Ruf, der von der damaligen Schulmedizin attackiert wurde. Er verlegte den Sitz seiner Praxis von Wiesbaden nach Liebenstein und zog viele Augenleidende nach, die dem Profil des Ortes als Kurbad Abbruch taten. 1917 wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, die später Dr. Fritz Lauterbach übernahm.
1914 brach der I. Weltkrieg aus, dessen riesige Material- und Menschenschlachten Millionen Menschen den Tod brachten. Als Neuheit der Kriegsführung wurde Giftgas eingesetzt, das unter anderem zu Augenschäden führte. Auch wegen des Rufes des Dr. Graf Wiser wurde Liebenstein zum ersten Mal Lazarettstadt.
Graf Wiser arbeitete zunächst im Müller‘schen Hotel
http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/pcd75fb 9c4b74f27d/ , dem nachmaligen Hotel Herzogin Charlotte, später Sanatorium Albert Schweitzer. Die Herzogin Charlotte von Sachsen-Meiningen, geb. Prinzessin von Preußen und Schwester des deutschen Kaisers, nahm sich dieser Augengeschädigten besonders an, gründete eine Stiftung und eröffnete in diesem Haus die "Augenheilanstalt für erblindete und erkrankte Krieger ". Die Räume reichten nicht aus. Insbesondere waren die operativen Möglichkeiten stark eingeschränkt. So reifte der Entschluss zum  Bau einer Augenheilanstalt, die durch eine Stiftung finanziert werden sollte und wurde. Ein Jahrhundertbau für Bad Liebenstein.
Am 24.7.1916 fand die
Grundsteinlegung   am Tag des Geburtstages der Herzogin und im Beisein des Graf von Wiser und des Herzogs Bernhard III. statt. Nach erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, grundlegendem Wechsel der Regierungsform und nach dem Tod der Herzogin wurde am 24.7.1920 der Bau übergeben. Die Leitung der Klinik übernahm Dr. Graf von Wiser, dem nun ein modern eingerichteter großer OP zur Verfügung stand. Dieser OP wird das weitere Schicksal des Hauses bestimmen. 1928 verließ Graf Wiser Liebenstein und ging nach Bad Eilsen. Sein Schüler und Mitarbeiter, Dr. Koch, führte die Klinik erfolgreich weiter.
1942 wurde Bad Liebenstein zum zweiten Mal Lazarettstadt, als die Ausweitung des 1939 begonnenen 2.Weltkrieges und der Überfall auf die SU zu einem hohen Anfall Verwundeter und zu versorgender Soldaten führte. Nur die Augenheilanstalt verfügte als einziges Lazarett über einen geeigneten OP. So wurde in dem Gebäude ein chirurgisches Lazarett unter Leitung eines Dr. Rosenberg eingerichtet, der nach 2 Jahren nach einer politischen Denunziation zum Fronteinsatz geschickt wurde. Dr. Jahnke wurde neuer Chef. Er arbeitete vorwiegend als Neurochirurg. Gegen Ende des Krieges brachten Lazarettzüge -
der Bahnhof war noch funktionsfähig - große Mengen Verwundeter zur Versorgung, so dass in dem noch nicht umgebauten Haus bis 300 Soldaten gelegen haben sollen. Die Mitarbeiter arbeiteten bis zur physischen Erschöpfung.
1945 wurde der Ort kampflos den Amerikanern übergeben, die die Lazarette weitgehend räumten. Nach dem Abzug der US-Army übernahm das Gebiet die Rote Armee. Auf Befehl der SMAD (Sowjetische Militäradministration) wurde der Ort als Kurort vorgesehen. Die
 Augenheilanstalt wurde der Landesversicherungsanstalt Thüringen angegliedert, die damals wegen der föderalen Struktur der SBZ http:// de.wikipedia.org/wiki/SBZ und späteren DDR noch existierte.
Unter Leitung von Dr. Harff von der Charite wurden Erkrankte an extrapulmonaler Tuberkulose und an Lungen-Tb. im Haus untergebracht. Dr. Harff folgte einem Ruf nach Hamburg. Die chirurgische Versorgung der Bevölkerung des Altensteiner Oberlandes sicherte das Krankenhaus Marienthal unter der Leitung von Dr. Karl Obmann.
Das Gesundheitswesen wurde neu formiert. Im westlichen Teil des Landkreises Meiningen wurden zwei Kreiskrankenhäuser gebildet, das in Bad Salzungen und ein zweites größeres in Bad Liebenstein mit den Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie, Geburtshilfe, später Pädiatrie und der entsprechenden technischen Ausstattung.

Die Ärzte der Chirurgischen Klinik, Haus II in Bad Liebenstein
ab 1949: Dr. Norbert Vogel ( Chefarzt )
                 Dr. Zellerhof
                 Dr. Ploner
                 Dr. Lauth, Luise
                 Dr. Tepper
                 Dr. Gassdorf, Klaus  ( Chefarzt ab 1978 - 1998)
                 Dr. Haut, Heribert
                 Dr. Retzlaff, Jochen ( Oberarzt 1962 - 2000)
                 Dr. Agde, Volker
                 Dr. Zeißler, Karl-Hans
                 Dr. Haschen, Christoph
                 Dr. Ulbrich, Günther
                 Dr. Karn, Bernd
                 Dr. Winter, Martin
                 DM Zappe, Veronika
                 DM Pletzko, Heike
                 DM Gerlach, Heike
                 Dr.Kister, Dieter
                 DM Nennstiel, Mathias
                 Dr. Trautvetter, Rene
                 DM Mattusch, Heribert 
                 Dr. Bauer, Kurt   ( Chefarzt ab 1998)               
Verlagerung der Chirurgischen Klinik 2002 ins Klinikum Bad Salzungen

Zusammengestellt von Dr. Jochen Retzlaff

Chirurgie Aufnahme März 2012 - obige Aufnahme vom 60.Geburtstag von Gaf Wiser 1921 erfolgte aus ähnlicher Perspektive
Chirurgie Aufnahme März 2012 - obige Aufnahme vom 60.Geburtstag von Gaf Wiser 1921 erfolgte aus ähnlicher Perspektive