Die Familie vom Stein zum Liebenstein

 

Der Erbauer der Burg Liebenstein, Wetzel II., stammte aus der Familie vom Stein auf  Burg Altenstein, wo er auch den größeren Teil seines Lebens wohnte. Das sehr alte thüringische Adelsgeschlecht vom Stein (Altenstein) nannte sich de Lapide und ist urkundlich bis Anfang des 13. Jh. zurück zu verfolgen. Einige Hinweise deuten auf die Verwandtschaft mit einer Linie, deren ältester bekannter Vorfahre Dudo de Lapide war, 1116 urkundlich erwähnt. Die im hier gezeigten Stammbaum aufgeführten Verwandtschaftsbeziehungen sind ab der Generation von Wetzel I. urkundlich belegt.

Als die Burg Liebenstein um 1386 bezogen wurde, lebten einige Familienmitglieder der vom Stein auf dem Altenstein weiter, andere schon länger in Barchfeld, im Bereich der alten Wasserburg. Während für die Zeit Ende 14./Anfang 15. Jh., ferner für das 16. und das 17. Jh. belegt ist, welche Familienmiglieder auf Burg Liebenstein lebten, ist im 15. Jh. bisher keine eindeutige Abfolge der Burgbewohner ermittelt.

 

In den geschichtliche Quellen über die Zeit vom 14. - 17. Jh. treten einige Mitglieder der Familie vom Stein zum Liebenstein hervor, die sich überregional besonderes gesellschaftliches Ansehen bei den sächsischen, hennebergischen oder hessischen Landesherren erworben hatten. Wetzel I. (Vater von Wetzel II.), erwarb sich bedeutende Verdienste bei Friedrich II. als Hauptmann, damals eine hohe Funktion in der Heeresorganisation, an dessen Seite er im Landgrafenkrieg, in der Schlacht bei Eckstädt (1342), fiel. Er wurde in der Marienkapelle des Petersklosters beigesetzt. Wetzel II. war 1361 Marschall am Hofe Friedrich III., Markgraf zu Meißen und Landgraf von Türingen. In den Urkunden des 15. Jh. wird Heinrich vom Stein zum Liebenstein aufgeführt, der in Schlichtergremien und bei Friedensverhandlungen für die hennebergischen Grafen tätig war. Er führte den Titel Hennebergischer Landvogt. In der Zeit von Reformation, Gegenreformation und Schmalkaldischem Krieg, im 16. Jh., war Asmus vom Stein zum Liebenstein, Bewohner der Burg von ca 1548 bis 1568, eng verbunden mit dem kursächsischen Hof in Torgau und Wittenberg, dann mit dem herzoglichen Hof in Gotha. Er nahm am Schmalkaldischen Krieg, auch an der Schlacht bei Mühlberg, teil und führte auf Burg Liebenstein den evangelischen Gottesdienst ein. Durch seine Lehnstreue zu dem während der Grumbachschen Händel (1567) in die Reichsacht gefallenen Herzog Johann Friedrich dem Mittleren verlor er Burg Liebenstein und wurde schließlich im "Exil" in Hessen ermordet. Sein Sohn Hermann war eng befreundet mit dem Sohn von Herzog Johann Friedrich dem Mittleren, Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg. Durch beider Initiative wurde mit der Erschließung der Heilquelle in Suirborn 1610 der Badebetrieb gegründet.

 

Die bis in die Mitte des 15. Jh. bestehende Wohlhabenheit der Familie vom Stein zum Liebenstein war wohl schon in der Altensteiner Zeit der Familie entstanden. Sie beruhte auf den Einkünften als Burgmannen, aus den zahlreichen Lehnsgütern und Vergütungen von Ämtern, die sie im Werratal etwa zwischen Einödhausen und Creuzburg inne hatten. Im Jahre 1393 hatte Graf Heinrich von Henneberg bei Hans und Wetzel vom Stein zum Liebenstein 3.500 Gulden Schulden, die er in den Jahren danach nur allmählich abtrug. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jh. verringerte sich der Besitz der Familie durch Verkäufe und Verpfändungen von Besitztümern. Mitte des 16. Jh. musste der Alleinerbe Asmus Schulden von zwei Generationen seiner Vorfahren zurückzahlen. Der Besitz seiner Nachkommen blieb ab Ende des 16. Jh. im wesentlichen auf das Burggut Liebenstein und umliegende Wälder, Wiesen und Weiden, Teile von Barchfeld und Gumpelstadt sowie wenige an Bauern verliehene Höfe in Schweina und Steinbach beschränkt. Durch Änderung der familiären Besitzanteile wurde der Barchfelder Stein'sche Familienzweig seit 1620 nicht mehr in die Belehnung mit Burg Liebenstein einbezogen.

 

Nach einer vorübergehenden wirtschaftlichen Stabilisierung zu Beginn des 17. Jh. wurde die Familie vom Stein zum Liebenstein, wie die übrige Bevölkerung der Region, durch den 30jährigen Krieg schwer geschädigt. Durch Tod im Kriegsdienst, Hunger und Krankheiten starb die Familie 1673 aus. Vom Barchfelder Zweig der Familie überlebte von den männlichen Familienmitgliedern nur Caspar Adolf, der die jüngere Linie der Familie unter dem Namen Stein-Liebenstein zu Barchfeld fortführte.